A wie Alphabet lernen bis Z wie Zmittag

Mittwoch, 19. Juni 2019

Als Analphabet eine neue Sprache lernen. Als Frau im Schreinerprojekt mitmachen. Als arbeitsloser Lehrer für Deutschkurse gratis arbeiten. Als Stadtmensch am Gartenprojekt teilnehmen. Nicht eine verkehrte Welt, sondern Realität der rund 100 Menschen, die in den Flüchtlingsprojekten mittun.

Die Fäden hält Alexandra von Weber zusammen, studierte Juristin und angestellt zu 50 Prozent. Sie koordiniert die Deutschklassen der 60 bis 70 Teilnehmenden: Asylsuchende, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund.

Fragen wie Niveau und Teilnahme-Bedingungen kommen am monatlichen Deutschlehrer­Innen-Treffen zur Sprache; Absprachen zu Umverteilungen und eventuellen Spannungen moderiert Alexandra von Weber und bezieht alle Engagierten ein. Die Frage steht an, wie mit der grösseren Zahl an Teilnehmenden umgegangen werden soll, die einwandern wegen Arbeit oder Heirat und aus europäischen Ländern stammen. Sie sind weder Flüchtlinge noch Asylsuchende, und dieser neuen Entwicklung muss Rechnung getragen werden. Entscheidend für den Fortschritt im Deutschkurs sei, so berichten langjährige Ehrenamtliche, der Bildungshintergrund, an zweiter Stelle das Alter sowie die Motivation der Lernenden.

Was als Flüchtlingsprojekt im Spätherbst 2014 begann, hat sich zu einem vernetzten Projekt für viele Menschen erweitert. Einige lernen Deutsch, andere suchen Anschluss aus ihrer Migrationsisolation. Menschen aus Eritrea, Tibet, Syrien, Afghanistan, Sri Lanka wie auch aus Spanien oder Osteuropa finden sich am Montagmorgen zum Deutschkurs, am Samstagnachmittag zum Malkurs oder am Donnerstagmittag zum Gartenprojekt ein. Montags zum Zmittag um 12 Uhr sind alle Anwesenden wie Gäste herzlich eingeladen.

Im Innenhof des Chilehuus Grüenau steht ganz neu das Resultat des Schreinerkurses. Unter Anleitung eines Fachmanns zimmerte eine Gruppe (eine Frau, zwei Männer, drei Nationen) einen einladenden langen Gartentisch mit Bänken. Ohne die zirka 25 engagierten Freiwilligen ginge dies alles nicht.

Der Kirchenkreis neun finanziert einen Teil der rund elf Deutschgruppen mit Kinderbetreuung und Mittagstisch zusammen mit dem Verein Solinetz Zürich. Nicht nur das Chilehuus Grüenau ist gefüllt mit Leben und Geschichten, riecht nach würzigem Essen des afghanischen Kochs, wozu alle, auch Einheimische, am Montagmittag eingeladen sind – auch das nahe Gemeinschaftszentrum Grünau bietet weitere Räume für Deutschklassen sowie Spielmöglichkeiten für Kinder.

Schauen Sie vorbei – diese (fremde) Welt ist gleich um die Ecke!

Pfarrerin Sonja Zryd